Dienstag, 15. Januar 2013

Mama geht Rodeln

Als ich 14 war - und zum ersten Mal verliebt - dachte ich: mehr geht nicht. N-I-E-M-A-L-S werde ich jemanden mehr lieben, als diesen Jungen ... Doch da habe ich mich getäuscht. Zum Glück muss ich sagen. Von Jahr zu Jahr, Junge zu Junge, Verliebtheit zu Verliebtheit - wurde es mehr.
Aber habe ich daraus gelernt? Nein. Zumindest habe ich nicht grundsätzlich den Schluß gezogen, dass es wann immer Du denkst "mehr geht nicht" - es eben doch noch mal heftiger wird. Im Guten. Wie im Schlechten.

Kleine Kinder, kleine Sorgen ...


Denn: Auch das mit dem "Mama sein" wird nach dem (zugegeben: sehr interessanten) ersten Jahr nicht zwingend einfacher. Sohn Mads ist inszwischen 13 Monate alt... Die ersten Zähne, das nervenaufreibende Abgewöhnen der nächtlichen Milchfläschen (ja, Plural!), die ersten Krankheiten oder Fremdelanfälle; alles überlebt. Und jetzt geht der Spaß erst so richtig los.

Bestand der Nervenkitzel bislang darin, nach dem abendlichen zu Bett bringen panisch aufs Babyfon zu starren und zwischen Hoffen und Bangen ("bitte, nicht aufwachen!" und "Oh Gott, vielleicht atmet er ja gar nicht mehr") hin- und hergerissen zu sein, so wird das Abenteuer jetzt etwas greifbarer. Plötzlich reicht es dem Kind nämlich nicht mehr, durchs Wohnzimmer zu krabbeln und das lustige "Nein"-Spiel ("Nein, nicht die Steckdose, lass das Kabel, gehst du wohl da weg, neieien!") zu spielen. Jetzt muss echte Action her. Und weil Winter ist, suchen wir die da wo's Berge gibt. Und Schnee. Keine Ahnung, warum ich damit einverstanden war. Ich hab's nämlich gar nicht so mit Schnee. Oder mit Bergen. 

Und plötzlich weißt Du: Ich bin alt!


Und doch stehe ich jetzt hier: Im Harz. Auf einem Rodelberg. Vor mir geht es steil bergab. Kinder die mir gerade einmal bis zum Knie reichen, stürzen sich kopfüber auf ihrem Schlitten in die Tiefe ... Und ich? Ich kann nicht. Viel zu steil. Viel zu schnell. Viel zu gefährlich. Vor meinem inneren Auge sehe ich, wie ich mich mit samt "Davos-Holzschlitten" mehrfach überschlage und mir dabei beide Arme breche. Mindestens. In diesem Moment sausen Mann und Kind an mir vorbei. Und mein Kleiner lacht begeistert. Jetzt schämt sich Mama nicht mehr fremd - sondern bekannt!

Ein Einjähriger hat mehr Mumm als ich. Also hilft es nix. Ich schaffe es aufzusteigen. Wie man lenkt? Keine Ahnung! Mein Liebster gibt mir einen Schubs ... und schon geht's bergab. Ich spüre das Blut in den Schläfen pochen. Der Schlitten wird schneller und schneller. Reflexartig ramme ich die Fersen vor mir in den Schnee. Notbremse. Der Holzschlitten unter mir ruckt nach vorne und die hochgekrümmten Enden graben sich tief in meine Kniekehlen. Aua. Ich ziehe das rechte Bein hoch. Fehler. So fungiert das Linke wie ein Ruder und verhilft mir zu einer scharfen Kurve die mich unelegant auf die Seite plumpsen lässt. Na immerhin - es geht nicht noch weiter runter und ich habe überlebt.

Zugegeben: Sieht nicht so steil aus. Aus dieser Perspektive ... War's aber! Echt!
Komisch. Als Kind hatte ich auch einen Schlitten und war jeden Winter rodeln. Ich hätte nie gedacht, dass man das verlernen kann. Das bringt mich darauf einmal nachzudenken, von welchen Dingen ich das ebenfalls denke. Oder: dachte .... Schlittschuh laufen! Oder Rollschuh! Die Riesenrutsche im Freizeitpark runter sausen. Handstand machen. Oder eine Rolle. --- Oh. Mein. Gott.

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